Nachhaltige Dekoration und Ausstattung

Im Optimalfall wird auf die Neuanschaffung von Dekoration und Ausstattung (z.B. Mobiliar) gänzlich verzichtet. Es wird vorhandenes Material wiederverwendet oder geliehen/gemietet.

Die Beschaffung (neu oder gemietet) von Dekoration und Ausstattung (z.B. Mobiliar) erfolgt ressourcenschonend und es werden Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtig, d.h.
– Verwendung von Materialien, die ökozertifiziert sind oder aus fairer Produktion stammen.
– Verwendung von Produkten, die wiederverwendbar, reparierbar oder aus recycelten Materialien hergestellt sind.

Ausstattungselemente wie Möbel werden aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Metall, Kunststoff, Textilien und Leder gefertigt. Die Gewinnung und Verarbeitung dieser Materialien sowie die Möbelherstellung selbst haben erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Obwohl Holz ein nachwachsender Rohstoff ist, können seine Gewinnung und Verarbeitung erhebliche ökologische und soziale Probleme mit sich bringen. Ähnliches gilt für Leder und Naturtextilien, deren Produktion oft mit hohen Umweltbelastungen durch Gerb- und Färbeprozesse sowie mit schwierigen Arbeitsbedingungen verbunden ist. Die komplexe Materialienzusammensetzung führt auch dazu, dass Leder und Textilien aus Möbeln bisher nicht separat entsorgt werden, wodurch eine Wiederverwertung verhindert wird. Metalle lassen sich bei der Entsorgung zwar meist trennen und recyceln, doch leidet dabei häufig die Qualität, da sie nicht sortenrein getrennt werden. Kunststoffe aus Möbeln werden in der Regel nicht recycelt, da ihre Vielfalt sowie die Behandlung mit Farbstoffen, Weichmachern, Flammschutzmitteln und anderen Chemikalien eine effektive Trennung und Wiederverwertung verhindern.

Aus nachhaltiger Sicht sind insbesondere bei Möbeln aber auch anderen Ausstattungselementen sowohl eine hohe technische Lebensdauer als auch eine lange tatsächliche Nutzung entscheidend, damit die Umweltbelastungen, die bei der Herstellung entstehen, bestmöglich ausgeglichen werden. Der Hamburger Beschaffungsleitfaden empfiehlt daher bei der Beschaffung „Aspekte, wie Haltbarkeit, lange Nutzbarkeit und Reparierbarkeit, aber auch (Wieder-)Einsatz gebrauchter/ aufbereiteter Möbel“ (S. 130), bzw. Ausstattung mit einzubeziehen. Im Optimalfall verzichtet ihr für eure Veranstaltung oder eure Fläche auf die Neuanschaffung von Dekoration und Ausstattung und greift stattdessen auf bestehende Sammelbörsen und Materiallager zurück (siehe unten). Falls Elemente neu beschafft oder angemietet werden, solltet ihr folgende Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen.

Im Sinne des Umwelt- und Gesundheitsschutzes sollten Möbel und andere Ausstattungselemente möglichst frei von schädlichen Chemikalien sein. Um sowohl die Umwelt als auch die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen zu schützen, sollte Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gewählt werden, in denen weder Raubbau betrieben noch Pestizide oder künstliche Düngemittel eingesetzt werden. Darüber hinaus ist es insbesondere bei der Nutzung von Textilien und Leder essenziell, die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen entlang der Lieferkette sicherzustellen. Um sicherzustellen, dass diese Aspekte bei der Herstellung berücksichtigt wurden, geben Gütesiegel und Zertifizierungen eine Orientierung.

Um sicherzustellen, dass Nachhaltigkeitsaspekte bei der Herstellung, z.B. von Möbeln, berücksichtigt wurden, geben euch Gütesiegel und Zertifizierungen eine Orientierung. Die Kompetenzstelle des Bundes für nachhaltige Beschaffung spricht für die Warengruppe Möbel folgende Gütesiegel als Empfehlung aus (siehe Hamburger Beschaffungsleitfaden, S. 129 ff.):

Umweltzeichen „Blauer Engel“

Der Blaue Engel steht für besonders hohe ökologische Standards und gilt als anerkanntes Gütesiegel. Relevante Umweltkennzeichnungen des Blauen Engels sind:

EU-Umweltzeichen für Möbel (Beschluss (EU) 2016/1332)

Das EU-Umweltzeichen für Möbel erfasst ein sehr breites Spektrum an Möbeln. Mehr Informationen hier.

FSC (Forest Stewardship Council)

Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) steht für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die strenge ökologische und soziale Standards einhält. Ein Holzprodukt mit FSC-Zertifizierung garantiert, dass die gesamte Produktionskette – vom Rohstoff bis zum fertigen Endprodukt – geprüft und zertifiziert wurde. Mehr Informationen hier.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)

Die PEFC-Zertifizierung gewährleistet ebenfalls eine nachhaltige Waldbewirtschaftung nach strengen Standards, geprüft durch unabhängige Organisationen. Mehr Informationen hier.

OEKO-TEX®

Textile Ausstattungsmaterialien werden meist ohne vorheriges Waschen genutzt und haben eine lange Lebensdauer. Eine Zertifizierung nach OEKO-TEX® Standard 100 stellt sicher, dass diese Materialien keine Schadstoffe an das Raumklima abgeben. Mehr Informationen hier.

Nordic Swan (031 – Furniture and Fitments)

Dieses Umweltzeichen umfasst eine Vielzahl von Möbeln, darunter Sitzmöbel wie Stühle und Sofas, Schlafmöbel, Aufbewahrungsmöbel, ebenso werden Tische, Schreibtische, Küchen- und Badezimmereinrichtungen sowie Tafeln, Trennwände und Whiteboards erfasst. Die Zertifizierung stellt hohe Anforderungen an die Inhaltsstoffe, den Einsatz von Chemikalien in der Produktion, die Emission gesundheitsschädlicher Stoffe sowie an die Nutzungsphase. Zudem werden Aspekte der Kreislaufwirtschaft wie Qualität, Garantie und Materialrecycling berücksichtigt. Mehr Informationen hier.

Österreichisches Umweltzeichen (UZ 06 – Möbel und vergleichbare Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen)

Dieses Umweltzeichen gilt für Möbel im Innenraum, die sowohl im privaten Bereich als auch in öffentlichen Einrichtungen und Büros genutzt werden. Ebenso umfasst es Türen und Treppen. Eine Auszeichnung mit dem Österreichischen Umweltzeichen setzt voraus, dass mindestens 50 % der verwendeten Materialien aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz bestehen – dazu zählen Vollholz, Massivholz- und Spanplatten. Das Holz muss nachweislich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Oberflächen dürfen ausschließlich mit lösungsmittelarmen Lacken oder Ölen behandelt werden. Mehr Informationen hier.

Siegelklarheit

Auf der Website Siegelklarheit werden Produktsiegel bezüglich ihrer angewendeten Nachhaltigkeitskriterien verglichen und bewertet. Das Informationsportal ist gefördert von der Bundesregierung und im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie aufgesetzt worden. Es werden Siegel in den folgenden Produktgruppen verglichen: Textilien, Papier, Laptops und Co., Holz, Lebensmittel, Wasch- und Reinigungsmittel, Natursteine, Leder und Mobiltelefone.

Für die öffentliche Hand hat sich die Hansestadt Hamburg bereits dazu entschlossen, umweltverträglich zu beschaffen. Grundlage ist § 3 b Hamburgisches Vergabegesetz (HmbVgG). Die Vergabekriterien sind im „Leitfaden für nachhaltige Beschaffung der Freien und Hansestadt Hamburg“ – im sog. Umweltleitfaden – praxisnah beschrieben und anhand verschiedener Produktgruppen konkretisiert worden. Der Leitfaden ist hier abrufbar. Veranstalter:innen, die über öffentliche Ausschreibungen beschaffen müssen, finden hier Formulierungshilfen. Der Leitfaden enthält zudem eine Negativliste mit Produkten, die die Hansestadt nicht mehr kauft.

Das Umweltbundesamt stellt auf der Website www.beschaffung-info.de ein umfangreiches Informationsportal zur umweltverträglichen Beschaffung zur Verfügung. Die Autor:innen betonen, dass das Ziel, umweltverträglich zu beschaffen, klar und verbindlich formuliert werden muss, sodass es bei jeder Entscheidung, Produkte neu zu beschaffen, einbezogen werden kann. Unter „Lebenszykluskostenanalysen“ stehen im Infoportal des Umweltbundesamtes Vorlagen zur Verfügung, mit denen unterschiedliche Produkte im Hinblick auf die gesamte Nutzungsdauer in ihren Kosten verglichen werden können. Denn: Häufig spricht das Argument der zu hohen Anschaffungskosten gegen ein Produkt, das aber unter Umständen durch eine verlängerte Nutzungsdauer langfristig kostengünstiger ist.

Im besten Fall schafft ihr für eure Veranstaltung keine neue Ausstattung an, sondern greift auf existierende Fundi zurück, oder sammelt euch Materialien in Secondhand-Baumärkten zusammen.

In Hamburg…

Insbesondere für Dekorations- und Gestaltungselemente ist die Hanseatische Materialverwaltung im Hamburger Oberhafen eine gute Anlaufstelle.

Der gemeinnützige Verein Schrott Bewahre e.V. in der Amsinckstraße stellt ebenfalls gebrauchte (Bau)Stoffe zur Verfügung.

In Bremen…

Die bauteilbörse bremen bietet über 2000 gebrauchte Bauteile wie z.B. Treppen, Türen, Fenster, Sanitärobjekte, Heizkörper, Leuchten, Beschläge oder auch Handläufe zum Verkauf an.

Im Materialfundus der KlimaWerk­Stadt Bremen werden Verbrauchsmaterialien gesammelt und gegen Spende verkauft, z.B. Dekorationsmaterial, Papier, Pappe, Tapetenreste, Farben, Pinsel, Elektrokabel, Planen, Verpackungen etc.

Weitere Materialinitiativen in Berlin, Kiel und ganz Deutschland findet ihr auf dieser interaktiven Karte der Initiativen für Materialkreisläufe

Diese Maßnahme trägt zur Erreichung folgender UN-Nachhaltigkeitsziele bei:

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