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altonale

Ort: Altona und Ottensen (Bezirk Altona), Hamburg

Zeit: jedes Jahr zwei Wochen im Juni/Juli

Anzahl der Gäste: über 250.000 Besucher*innen

Institution: altonale GmbH (Non-Profit-Organisation)

Tatenbank-Maßnahmen in diesem Fallbeispiel:

  • altonale visionair: Das Nachhaltigkeitsleitbild der altonale
  • Kreislaufwirtschaft: Einsatz von Mehrweggeschirr und Spülinsel
  • Alternatives Bezahlsystem: Pay-What-You-Want-Ticket und freiwillige Beiträge
  • Gemeinsames Kochen gegen Lebensmittelverschwendung: das altonale kulturfutter
  • Die altonale ist ein umfangreiches Kunst- und Kulturfestival. Über 17 Tage und drei Wochenenden im Sommer bietet die altonale weit über 300 Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Film, Theater, Kunst, Tanz, Jugend und Literatur an verschiedenen Orten in den Hamburger Stadtteilen Altona und Ottensen an. Auch verschiedene Märkte sind Teil des Programms. Im zentral gelegenen Festivalzentrum bietet die altonale – neben weiteren Veranstaltungen – eine eigene Gastronomie und Möglichkeiten zum Verweilen an. An anderen Orten des Festivals gibt es weiteres kulinarisches Angebot von externen Dienstleistern. Am letzten Festivalwochenende findet ein internationales Straßenkunstfestival mit Musik, Gastronomie, Infomeilen und kleinen Verkaufsständen statt.

    Die altonale versteht sich als ein partizipatives, vielfältiges und zukunftsfähiges Festival. Ein ganzheitliches Verständnis ist dabei für die Veranstaltenden zentral. So möchte die altonale ihre Vision von Teilhabe und Nachhaltigkeit nicht nur in das Programm und in die Auswahl der Künstler*innen einfließen lassen, sondern auch in die gesamte Organisation des Festivals, die Zusammenarbeit mit Partner*innen und die Kommunikation mit den Gästen. Auch denkt die altonale die ökologische, soziale, künstlerische und ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit zusammen: So spielt beim altonale kulturfutter nicht nur Lebensmittelrettung, sondern auch Teilhabe eine große Rolle, es gibt ein alternatives Bezahlsystem, das allen Menschen ermöglichen soll, die altonale zu besuchen, und es wird kontinuierlich an Lösungen für Mehrweggeschirr in der Gastronomie gefeilt. Mittlerweile hat die altonale auch eine eigene Sparte für Nachhaltigkeit – die altonale visionair –, die sich „hinter den Kulissen“ um die strukturelle Verankerung von Nachhaltigkeit beim Festival kümmert.

    altonale visionair: Das Nachhaltigkeitsleitbild der altonale

    Problematik

    Wenn sich eine Veranstaltung nachhaltig(er) ausrichten möchte, stellt sie meistens zunächst eine*n Nachhaltigkeitsbeauftragte*n auf. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um einer nachhaltigen Veranstaltung den Weg zu ebnen. Wenn sich jedoch nur eine Person dieser Thematik widmet, bleibt der Effekt auf die ganze Veranstaltung in der Regel begrenzt. Die Herausforderung liegt darin, das Wissen und die Vision in das gesamte Team zu tragen, das die Veranstaltung letztendlich plant und umsetzt. Bei der altonale sind dies jedes Jahr über 100 Menschen.

    Lösungsansatz

    Damit alle Beteiligten der altonale zukunftsfähige Entscheidungen treffen können, möchte die altonale Nachhaltigkeit strukturell als Leitbild verankern. Sie hat dafür bereits 2012 die Grundsteine gelegt und mittlerweile die altonale visionair ins Leben gerufen, eine festivalübergreifende Schnittstelle für Nachhaltigkeit. Sowohl das gesamte Festivalteam – also Festangestellte, Honorarkräfte, Produktionsteam und Freiwillige – als auch das Publikum und externe Partner*innen sollen für nachhaltiges Handeln sensibilisiert werden. Dies erfordert intensive und vielseitige Kommunikation nach innen und außen. Umfragen und Präsentationen der Nachhaltigkeitsbeauftragten haben zunächst das Kernteam aus festen und freien Mitarbeiter*innen der altonale aktiviert. Gemeinsam reflektierten sie die Rolle von Nachhaltigkeit in der eigenen Arbeit und entwickelten Ideen und Richtlinien für eine zukunftsfähige altonale. Mithilfe dreier extern moderierter Workshops wurden diese Ansätze dann in das gesamte Team getragen, diskutiert und weiterentwickelt. So gab es in einem ersten Schritt einen Info-Workshop mit allen wichtigen Stakeholdern der altonale – von der Geschäftsführung über die künstlerische Leitung bis zur Freiwilligenkoordination. Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit der Kommunikation nach außen, hier waren vor allem die Verantwortlichen für Presse, Design und Sponsoring anwesend. Ein dritter Workshop widmete sich der Fragestellung, wo und wie bei der Produktion der altonale konkret CO2 eingespart werden kann. Die Schnittstelle zu den Besucher*innen der altonale sind vor allem die vielen Freiwilligen (50 bis 70 Menschen). Es war deshalb ein besonderes Anliegen, auch diese mit ins Boot zu holen. In einem Kick-Off-Meeting im Vorfeld der altonale und mithilfe von Informationsmaterial zu Schichtbeginn wurden auch die Freiwilligen über die wichtigsten Themen unterrichtet und auf mögliche Fragen der Besucher*innen vorbereitet. Zudem fanden Gespräche mit den externen Partner*innen und Sponsor*innen statt, um sie über das Nachhaltigkeitsleitbild der altonale zu informieren. Über sie gelang das Leitbild auch an alle involvierten Dienstleister (wie beispielsweise die etwa 60 Gastronom*innen). Aber auch konkrete Maßnahmen trugen hier zur Sensibilisierung bei. So verpflichtet ein Vertrag alle Aussteller dazu, Müll zu reduzieren und zu trennen. In einer Kommunikationsrunde während des Aufbaus wurden Informationsmaterialien und Müllbeutel überreicht. Die Gäste können sich auf der Homepage der altonale über altonale visionair informieren.

    Das Nachhaltigkeitsleitbild der altonale hört jedoch nicht mit dem Ende der Veranstaltung auf. Vielmehr möchte die altonale über das Festival hinaus inspirieren und Handlungstipps geben und setzt dafür auf eine ganzjährige Nachhaltigkeitskommunikation. Aus dieser Vision ist die digitale Plattform vvisionair – eine Weiterentwicklung der Ausstellung „Handle vvisionAIR“ – entstanden, die viele Hamburger Nachhaltigkeitsinitiativen, angelehnt an die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, vorstellt.

    Herausforderungen

    Eine Herausforderung ist, das gesamte Team inklusive der vielen Freiwilligen und externen Anbieter immer wieder zu informieren, zu inspirieren und zu begeistern, dabei jedoch nicht ihre Kapazitäten zu übersteigen. Dabei gilt, auf sensible Weise zu kommunizieren, dass nachhaltiges Handeln alternativlos ist, aber gleichzeitig keine Konkurrenz zum kulturellen Inhalt der altonale darstellt.

    Bilanz

    Die Entwicklung eines Leitbildes und vor allem der Transfer in das gesamte Team ist auf unheimlich große Resonanz gestoßen. Alle Beteiligten der altonale waren sehr interessiert und die vielen Ideen, die im Nachgang der Workshops entstanden sind, zeigen, dass das Thema Nachhaltigkeit von allen verinnerlicht und bei allen Entscheidungen einbezogen wurde. Viele konkrete Maßnahmen zu den verschiedensten Themen wurden direkt umgesetzt, bestehende Arbeitsmittel auf Nachhaltigkeit geprüft und Styleguides entwickelt. So wurde die Logistik teilweise auf Radverkehr umgestellt, nach nachhaltigeren Alternativen zu Hohlkammerplakaten gesucht und die Besucher*innen zu Wassersparsamkeit auf den Toiletten aufgefordert. Ein Styleguide wurde beispielsweise zum Thema Druck entwickelt: Drucksachen werden ausschließlich über die Umweltdruckerei und idealerweise für einen mehrjährigen Einsatz angefertigt (zum Beispiel bei Bannern auf Daten verzichtet) sowie stets reflektiert, ob ein Druck überhaupt notwendig ist (zum Beispiel, um Menschen ohne Internet teilhaben zu lassen). Ein Erfolg des Prozesses sind auch die vielen Schnittstellen zu anderen Maßnahmen der altonale. Beispielsweise stellt Nutzmüll e. V. die Westen für die Freiwilligen der Maßnahme Pay-What-You-Want aus entsorgten Materialien her.

    Vision

    Die Vision der altonale ist, die Veranstaltung noch mehr als Kreislauf zu organisieren. Dafür möchte sie weitestgehend selbstbestimmt werden, zum Beispiel weniger Dienstleistungen extern einkaufen, um Nachhaltigkeit noch umfangreicher umsetzen zu können. Eine Idee ist, dafür die Anwohnenden stärker einzubeziehen, um mit ihnen gemeinschaftlich viele Dinge selber auf die Beine zu stellen.

    Umgesetzte Kriterien mit dieser Maßnahme

    1.1 Nachhaltigkeitsmanagement
    1.2 Team & Büro
    1.3 Partner*innen

    Die Ausstellung „Handle vvisionAIR“ stellt Hamburger Nachhaltigkeitsinitiativen vor, angelehnt an die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN. Foto: Markus Scholz

    Nachhaltigkeit wird bei allen Schritten der altonale mitgedacht: So wurde beispielsweise ein Teil der Logistik aufs Rad umgestellt. Foto: Anne-Kathrin Bohn

    Die Kommunikation des nachhaltigen Leitbilds nach außen, beispielsweise mit den Gästen, ist ein zentraler Bestandteil der altonale visionair. Foto: Anne-Kathrin Bohn

    Kreislaufwirtschaft: Einsatz von Mehrweggeschirr und Spülinsel

    Problematik

    Die Gastronomie auf Festivals verursacht viel Müll und dadurch hohe CO2-Emissionen: Getränke werden oft in To-Go-Bechern ausgegeben und selbst Teller aus nachhaltigen Rohstoffen sind nicht recyclebar, wenn sie zusammen mit Essensresten entsorgt werden. Die Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft – das heißt eine Lösung mit Mehrweggeschirr – erfordert jedoch viel Planung. Denn die gesamte Infrastruktur, Logistik und Arbeitsabläufe von Großveranstaltungen müssen dafür umgerüstet werden. So steigt der Verpackungsmüll im Bereich der Gastronomie laut Umweltbundesamt jährlich an.

    Lösungsansatz

    Im Festivalzentrum der altonale mit eigener Gastronomie sind bereits seit einigen Jahren über 90 % der Becher Mehrweggefäße. Ein Problem waren bisher besucherreiche Tage: Kaffee konnte dann nicht mehr ausschließlich in Porzellantassen ausgegeben werden und Pappbecher kamen zum Einsatz. 2022 gab es deswegen eine Pilotphase mit RECUP für den Bereich Festival, in der der Einsatz von Mehrwegbechern des Start-ups erprobt wurde. Bei der Veranstaltung kulturfutter werden nicht nur die Getränke in Mehrwegbechern ausgegeben, sondern auch das Essen. Dies gelingt durch den Einsatz eine Spülinsel: 730 Sets von Mehrwegtellern inklusive dazugehörigem Besteck konnten so in 2022 gereinigt werden können. Kulturfutter bittet außerdem die Gäste, eigene Tupperdosen für die Mitnahme von übrig gebliebenem Essen mitzubringen.

    Herausforderungen

    Eine Ausweitung der Mehrweglösung scheitert bisher an der Größe des Festivals. Es bräuchte eine größere Spülstraße. Aber dynamische Gästeströme erfordern bei einer solch großen Veranstaltung schwankende Kapazitäten und machen ihre Planung deshalb schwierig. Auch die Lagerung, Pflege und Wartung der Spülmaschinen sind herausfordernd. Hinzu kommt, dass das gastronomische Angebot außerhalb des Festivalzentrums fremdvermietet ist und die altonale so wenig Einfluss auf die Anbieter und ihre Abläufe hat. Eine eigene Verwaltung der Stände würde die altonale jedoch überfordern.

    Bilanz

    Durch den Einsatz von RECUP-Mehrwegbechern sank der Bedarf an Einwegkaffeebechern im Festivalzentrum in 2022 auf unter 20 %. Beim kulturfutter kommt seit 2021 sogar keinerlei Einweggeschirr mehr zum Einsatz. Speisen der eigenen Gastronomie im Festivalzentrum sowie Speisen und Getränke bei der fremdvermieteten Gastronomie werden aber noch in Einwegverpackungen ausgegeben. Es entsteht jedoch immer mehr Vertrauen und Interesse seitens der gastronomischen Anbieter an den Mehrweglösungen. So hat die bergmanngruppe, die die Stände außerhalb des Festivalzentrums verwaltet, 2022 mit der „Grünen Gabel“ ein Siegel für nachhaltige Gastronomie eingeführt, das unter anderem Mehrweglösungen berücksichtigt.

    Vision

    Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft möchte die altonale komplett auf Einweggeschirr verzichten. Die Veranstaltenden möchten dafür weitere wertvolle Erfahrungen sammeln und die Einsatzgebiete von Mehrweglösungen schrittweise ausweiten. Eine weitere Vision ist, eine eigene Spülstraße zu entwickeln, die auch an andere Veranstaltende ausgeliehen werden kann, um so auch über die altonale hinaus Müll einzusparen.

    Umgesetzte Kriterien mit dieser Maßnahme

    7.3 Mehrweg & Verpackungen

    2022 wurden erstmals die Mehrwegbecher von RECUP auf der altonale eingesetzt, um Einwegbecher einzusparen. Foto: Anne-Kathrin Bohn

    Alternatives Bezahlsystem: Pay-What-You-Want-Ticket und freiwillige Beiträge

    Problematik

    Menschen mit geringem Einkommen bleibt der Zugang zu Kulturveranstaltungen oft verwehrt, da der Eintritt in der Regel zu teuer für sie ist. Gleichzeitig müssen die Veranstaltenden jedoch gewisse Eintrittskosten verlangen. Denn sie müssen nicht nur die Künstler*innen angemessen bezahlen, sondern es fallen auch Gebühren für die Sondernutzung und Sicherheit sowie Kosten für Equipment und Organisation an.

    Lösungsansatz

    Diesem Zielkonflikt begegnet die altonale seit 2018 mit einem alternativen Bezahlsystem: Alle zahlen für die Teilnahme an der altonale so viel, wie sie können und mögen. Im Rahmen dieses solidarischen Konzepts gibt es zum einen das Pay-What-You-Want-Ticket: Beim Kauf von Veranstaltungstickets können Gäste den Preis frei wählen – ein empfohlener Beitrag gibt dabei einen Richtwert. Zum anderen sprechen sogenannte, freiwillige Kulturbotschafter*innen die Besucher*innen direkt vor Ort an, um über die Finanzierung der altonale zu informieren und freiwillige Beiträge zu sammeln.

    Herausforderungen

    Die altonale findet bewusst auf einem offenen Gelände ohne Zutrittsbeschränkungen statt. Dadurch herrscht keine gewöhnliche Eintrittssituation. Alle Gäste müssen deshalb erst auf die Möglichkeiten für freiwillige Beiträge und auf das Pay-What-You-Want-Ticket aufmerksam gemacht werden. Die altonale setzt hier auf die Kulturbotschafter*innen, die aktiv das Gespräch mit den Gästen suchen und über diese Optionen aufklären. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass die Einnahmen mit solch einem alternativen Bezahlsystem nur schwer kalkulierbar sind.

    Bilanz

    Seit Beginn der altonale im Jahr 1999 bis 2018 waren die meisten Veranstaltungen kostenlos. Nur für einzelne Veranstaltungen hat das Festival Eintrittsgelder verlangt. Die altonale wurde somit als kostenloses Festival wahrgenommen. Seit der Einführung des alternativen Bezahlsystems 2018 erhöht sich bei den Besuchenden das Bewusstsein für den Konflikt zwischen dem Kostendruck des Festivals einerseits und dem Wunsch, die altonale für alle zugänglich zu machen, andererseits. Mithilfe des Pay-What-You-Want-Tickets und der freiwilligen Beiträge sammelt die altonale jedes Jahr einen fünfstelligen Betrag ein. Beim Pay-What-You-Want-Ticket zahlen die meisten Gäste einen Preis über dem angegebenen Richtwert.

    Vision

    Vision der altonale ist, noch mehr Gäste auf das alternative Bezahlsystem, die Idee dahinter sowie auf die Möglichkeit des eigenen Beitrags zum Festival aufmerksam zu machen. Idealerweise soll dies auf vielfältige und künstlerisch-kreative Art geschehen und das Konzept jedem Gast einmal während des Besuchs begegnen.

    Umgesetzte Kriterien mit dieser Maßnahme

    8.1 Zugänglichkeit der Veranstaltung

    Mit Westen – hergestellt aus entsorgten Materialien von Nutzmüll e. V. – machen die Kulturbotschafter*innen auf das alternative Bezahlsystem aufmerksam. Foto: Nutzmüll e.V./Dominique Bonsack

    Kulturbotschafter*innen informieren die Gäste über das alternative Bezahlsystem der altonale und sammeln freiwillige Beiträge. Foto: Thomas Panzau

    Gemeinsames Kochen gegen Lebensmittelverschwendung: das altonale kulturfutter

    Problematik

    Lebensmittelverschwendung ist ein ernstzunehmendes Problem: Laut einer Studie des Thünen-Instituts landen allein in Deutschland jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, vor allem in Privathaushalten, aber auch in Supermärkten, Restaurants, Kantinen und auf Veranstaltungen. Beim „Auswärts-Essen“ wird sogar fast die Hälfte der Lebensmittel entsorgt. Dabei wäre ein Großteil der Abfälle vermeidbar – so das Thünen-Institut.

    Lösungsansatz

    Das altonale kulturfutter macht seit 2019 auf diese Thematik aufmerksam – und rettet dabei aktiv Lebensmittel. Die altonale kooperiert dafür mit foodsharing, der Hamburg Tafel, Hinz&Kunzt sowie DIE2CHEFS. Etliche sogenannte Foodsaver*innen retten vorab Lebensmittel und 400 bis 800 Menschen nehmen jährlich an der Veranstaltung teil. Das altonale kulturfutter ist wie alle anderen Veranstaltungen der altonale kostenfrei – um einen frei gewählten Beitrag wird gebeten. Mithilfe von Ausstellungen, Impulsgeber*innen und Filmbeiträgen können sich die Besucher*innen über das Thema Lebensmittelverschwendung informieren. Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung ist das soziale Miteinander: Altonale kulturfutter möchte Nachbar*innen vernetzen und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Milieus in den Austausch über den Verbrauch von Lebensmitteln bringen und so neue Wertschätzung erzielen.

    Herausforderungen

    Lebensmittel für eine so große Anzahl an Gästen zu retten und zu verarbeiten, ist herausfordernd. Hier sind zum einen eine gute Organisation, passende örtliche Gegebenheiten und eine funktionierende Logistik wichtig. Zum anderen bedarf es spontaner Kreativität bei den Rezepten. Auch funktioniert das altonale kulturfutter nur mit Freiwilligen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung helfen. Ausreichend Menschen dafür zu aktivieren, war gerade bei der ersten Veranstaltung schwierig, als das altonale kulturfutter noch weniger bekannt war.

    Bilanz

    Zum zweiten Mal in Folge hat das altonale kulturfutter 2022 vier Tage lang sowohl Besucher*innen als auch Künstler*innen und Mitarbeitende des Festivals mit Essen versorgt und dabei über 1,4 Tonnen Lebensmittel gerettet. Davon wurden 300 kg zu Marmelade, Kompott oder Mus eingekocht und 250 kg in Form von Care-Paketen für zu Hause ausgegeben. Das altonale kulturfutter ist mittlerweile wesentlicher Bestandteil der altonale und wird von vielen Freiwilligen unterstützt. Auch das Ziel der Teilhabe konnte erfolgreich umgesetzt werden: Den Veranstaltenden wurde gespiegelt, dass das altonale kulturfutter Menschen diverser Milieus und Kulturen zusammenbringt.

    Vision

    Die altonale möchte altonale kulturfutter ausweiten, um noch weitere Menschen zu erreichen, mehr Lebensmittel zu retten und für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren. Auch andere Stadtteile wurden bereits auf dieses Format aufmerksam. Eine weitere Vision ist deshalb, den Modell-Charakter von altonale kulturfutter auszubauen.

    Umgesetzte Kriterien mit dieser Maßnahme

    3.1 Programmempfehlung
    7.2 Konsumverhalten
    8.3 Anwohner*innen

    Ohne das große Engagement der vielen freiwilligen Helfer*innen wäre das kulturfutter nicht möglich; hier zu sehen bei der Ausgabe der gemeinsam zubereiteten Speisen. Foto: Thomas Panzau

    Ziel von altonale kulturfutter ist es, Menschen zu vernetzen und in den Austausch über die Wertschätzung von Lebensmitteln zu bringen. Foto: Thomas Panzau

    2022 hat das altonale kulturfutter mehrere hundert Menschen mit Essen versorgt und dabei über 1,4 Tonnen Lebensmittel gerettet. Foto: Thomas Panzau

    Mit dem altonale Festival der kulturellen Vielfalt zeigen wir unsere Vision von Frieden, Wohlbefinden und Partizipation. Wir prägen regional, was global von Bedeutung ist: Begegnung, Respekt, kulturelle Teilhabe, künstlerische Auseinandersetzung und der Schutz unserer Umwelt. Und wir wollen inspirieren: unser Publikum, andere Veranstaltungen, die Welt um uns herum.

    Anne-Kathrin Bohn – Nachhaltigkeitsbeauftragte der altonale

    Stand der Texte: September 2022